Sudetenbote

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Siedlungsgebiete der Deutschen in Boehmen, Maehren und Sudeten Schlesien

Willkommen zur Internet-Webseite des Sudetenboten. Sie wurde zusätzlich zur von Willi Wanka 1964 in Kanada gegründeten und heute von Hans Mirtes in Frontenhausen herausgegebenen Druckausgabe des Sudetenboten geschaffen, um Informations- und Gedankenaustausch im Sinne der Interessen, Ziele und Aufgaben der 1945-1947 entrechteten, enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen Volksgruppe zu fördern.

 

Der Sudetenbote unterstützt eine Europäische Union, in der alle Menschen, Volksgruppen und Völker gleichberechtigt in Frieden, Freiheit und Wohlstand miteinander leben können, im Sinne der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Konventionen über Bürger- und Menschenrechte, einschliesslich des Rechts auf Heimat. Aus diesem Grund verurteilt er die Existenz und Anwendung von Rassengesetzen, wie die in Tschechien und in der Slowakei noch immer geltenden Beneš-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen führten. Der Sudetenbote fördert den Versuch einer Wiedergutmachung des an den Sudetendeutschen begangenen Unrechts.


Thursday, April 21, 2016

Abschied von Illusionen?

oder

Verzicht auf Menschenrechte?

 

 

Seit 28. Februar 2015 ist der Bundesvorsitzende und Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL), Bernd Posselt, bemüht, in der Bundesversammlung der SL eine ausreichende Mehrheit (gegenwärtig etwa 70% von benötigten 75%) zur Änderung der Satzung der SL zu bekommen.  Die geplanten Änderungen sind Streichung des Anspruchs auf Wiedergewinnung der Heimat und Verzicht auf Forderung auf Rückgabe bzw. Restitution gestohlenen Besitzes.

 

Solche Forderungen sind für die noch lebenden sudetendeutschen Vertriebenen ein weiterer Abschied von Illusionen. Darüber hinaus sind Rechte auf Heimat und auf Besitz gottgegebene, unveräußerliche Menschenrechte. Somit ähneln Posselts Forderungen einem Verbrechen gegen die Menschheit.

 

Von Illusionen Abschied nehmen zu müssen ist für die deutschen Vertriebenen nichts Neues. Zum Beispiel mussten bereits vor 12 Jahren in USA lebende sudetendeutsche Vertriebene Abschied von Illusionen nehmen. Damals forderte der Sudeten-Amerikaner Karl Hausner von der tschechischen Regierung Entschädigung für das den Eltern zweier Verwandten geraubte Eigentum aufgrund zweier vom US Repräsentantenhaus verabschiedeten Resolutionen Nr. 557 und 562 (Concerning properties wrongfully expropriatred by formerly totalitarian governments/Betrifft die widerrechtliche Enteignung von Besitz durch ehemalige totalitäre Staaten) im Oktober 1998 folgenden Inhalts:

 

 „Die der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa beigetretenen Staaten haben vereinbart, die volle Anerkennung und den Schutz aller Arten von Eigentum, sowie den Schutz und das Recht auf unverzügliche, gerechte und effektive Entschädigung im Falle einer widerrechtlichen Enteignung von Privateigentum zur Nutzung für öffentliche Zwecke zu erzielen und zu wahren ...

Die Länder Zentral- und Osteuropas, des Kaukasus und Zentralasiens sind nach dem Kommunismus im Übergang zur Demokratie begriffen. Viele Länder begannen bereits mit dem schwierigen und schmerzlichen Versuch, das Unrecht der früheren totalitären Staaten wieder gut zu machen ...

Staaten, die dies bisher noch nicht getan haben, (werden) aufgefordert, widerrechtlich enteigneten Besitz den rechtmäßigen Eigentümern zurück zu geben oder, wenn eine Rückgabe nicht möglich ist, unverzüglich eine rechtmäßige und rechtswirksame Entschädigung zu zahlen, in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und in einer Weise die gerecht, allgemein verständlich und fair ist ...

Kroatien, die Tschechische Republik, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und sonstige Nationen, deren Gesetze oder Verordnungen die Rückgabe von oder die Entschädigung für unrechtmäßig enteignetes Vermögen auf Personen beschränkt, die im Lande wohnen oder Staatsangehörige des Landes sind, von dem Rückgabe oder Entschädigung verlangt wird, (werden) aufgefordert, diese Einschränkungen aufzuheben..."

 

Auf der Basis dieser Resolutionen schrieb der in Illinois lebende Landsmann und Unternehmer Karl Hausner einen Brief an den damaligen tschechischen Parlamentspräsidenten Vaclav Klaus mit der Bitte, zwei in den USA lebenden Töchtern des Ehepaars Krommer-Weiss (die Mutter war Jüdin aus der Slowakei, der Vater Sozialdemokrat aus Sudeten-Schlesien) für geraubtes Eigentum zu entschädigen. Der Brief lautete: 

 „Sehr geehrter Herr Klaus! Der bekannte Graphiker und Kunstmaler Helmut Krommer, gebürtig aus Troppau, ein Großneffe von Hans Kudlich, heiratete eine Jüdin und arbeitete und lebte in Berlin bis zur Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933. Als aktiver Sozialdemokrat, verheiratet mit einer jüdischen Frau, war er dann gezwungen, mit seiner Familie nach Prag zu übersiedeln. Während dieser „Exilzeit" porträtierte er Präsident Beneš und Alt-Präsident Masaryk im Auftrag von Dr. Beneš. Beim Zerfall der ersten Tschechoslowakischen Republik ging er, wie viele andere Sozialdemokraten und führende tschechische Politiker, mit seiner Familie ins Exil nach England. Dort wurde er auch von Dr. Beneš unterstützt.

Nach Kriegsende 1945 reiste Frau Krommer nach Prag in der Hoffnung, Vorbereitungen für die Rückkehr ihrer Familie zu treffen. Dort erlebte sie die mit der Vertreibung der Deutschen verbundenen Grausamkeiten, die sie in einem Brief zusammenfasste, den wir mit Genehmigung der beiden Töchter Anna und Barbara nachstehend zitieren:

Im August d.J. war ich in Freiheit bei Trautenau, wo ich mit den Genossen Erben und Dr. Mühlberger zusammen kam und auch einigen Andern, deren Namen mir nicht bekannt sind. Alle waren in sehr verzweifelter Stimmung und schilderten die Lage der Deutsche - auch der Antifaschisten - als hoffnungslos. Trotz des Potsdamer Abkommens werden die Sudetendeutschen auf dieselbe brutale Weise ohne Unterlass deportiert. Ich selber sah während meines dreitägigen Aufenthaltes mehrere Lastautos vollgepfropft mit stehenden Männern, Frauen, Kindern jeden Alters in Richtung Grenze fahren. Ich bat die Genossen, alles aufzuschreiben und erbot mich, es selber in die Hände des Herrn Jaksch gelangen zu lassen. Sie taten das auch und übergaben mir zwei mit Schreibmaschine geschriebene Briefbögen. In Prag angelangt konnte ich aber Niemand finden, der den Bericht mitgenommen hätte und die Personen, mit denen ich rechnete, ließen mich im Stich.

Inzwischen war meine Lage auch schwierig geworden und ich verbrannte das Papier, merkte mir aber die Hauptsachen des Inhaltes, um sie hier mitzuteilen, da ich damals schon entschlossen war, die CSR zu verlassen. Die Lage in den Sudeten war damals so furchtbar, dass ich mich erbot, für die Genossen mit Hilfe des Herrn Kreibich ein Interview beim Innenminister Nosek zu arrangieren, um Abhilfe zu suchen. Ich erforschte Herrn Kreibichs Privatadresse, aber er war nicht zu Hause. Ich hinterließ ein Schreiben, in dem ich ihn bat, mich wissen zu lassen, wann ich ihn sprechen könnte, bekam aber keine Antwort. Später erfuhr ich durch einen Deutschen, dass Herr Kreibich meinen Brief wohl erhalten habe und auch für mein Anliegen Interesse hatte. Aber merkwürdigerweise erging es mir ebenso mit Dr. Karl Sitte. Wie ich später erfuhr arbeitete Dr. Sitte im Sicherheitsdienst.

Die im Schreiben der Genossen enthaltenen Hauptpunkte waren folgende:

1. Der Narodny Vybor in Trautenau (und auch anderswo) erkennt die tatsächliche Zahl der Antifaschisten nicht an, sondern behauptet, dass zu viele rote Armbinden ausgegeben werden und akzeptiert nur eine gewisse, viel geringere, von ihm willkürlich bestimmte, Anzahl. Durch dieses Verfahren werden zahlreiche Sozialisten enteignet und deportiert.

2. Die Plünderungen sind unbeschreiblich. Menschen werden wahllos um Hab und Gut gebracht. Sie dürfen 20 kg Gepäck mitnehmen, welches ihnen aber auch zum Teil noch diesseits der Grenze in vielen Fällen abgenommen wird.

3. Nach den Berichten einer glaubwürdigen Sozialdemokratin haben Hunderte von Frauen mit Babys in der Reichenberger Talsperre den Tod gesucht, um dem Martyrium zu entgehen. Sie luden die Kinder in Kinderwägen und stürzten sich mit ihnen in die Fluten.

4. Kein deutsches Kind darf eine Schule besuchen, auch keine tschechische.

5. Antifaschisten bekommen 20%, andere Deutsche, die nicht als Antifaschisten anerkannt werden, da sie nicht im Kerker oder Konzentrationslager waren, 50 % weniger Lohn als Tschechen.

6. Soldaten, die in der deutschen Armee gedient, oft verwundet oder krank von den Westmächten aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und nach Hause geschickt wurden, werden sofort nach ihrer Ankunft in der Heimat ins Konzentrationslager gesperrt.

Ich hörte viele Berichte über Misshandlungen, unter anderem auch von sozialdemokratischen Genossen. Nachher war es immer ein Versehen. Die Genossen Erben und Mühlberger bitten Euch auf das Innigste, ihnen beizustehen. Sie würden mit allen deutschen Genossen gerne das Land verlassen, nur um Ruhe zu finden. Alle möchten nach Kanada oder Amerika. Wenn dies nicht möglich sei, nach Deutschland. Aber nicht als Bettler, sondern mit Hab und Gut.

Ich kann ihre herzzerreißenden Worte nicht so wiedergeben, wie sie selber schrieben. Aber ich hoffe, mein Bericht wird genügen, ein Bild von ihrem Jammer zu vermitteln. - gez. Valerie Krommer

P.S. In dem Bericht hieß es auch, dass Antifaschisten ebenfalls aus ihren Häusern gejagt und in primitiven Baracken untergebracht werden'.

 

Soweit die Worte der Valerie Krommer, die wieder nach England zurückkehrte und sich von dem in der Nachkriegs-CSR erlebten Schock nicht wieder erholen konnte. Sie starb im Jahre 1948 voller Enttäuschung mit 52 Jahren. Helmut Krommer kehrte nie wieder in seine angestammte Heimat nach Troppau zurück, sondern emigrierte mit seinen beiden Töchtern Anna und Barbara in die USA. Dort verstarb er als enttäuschter Patriot, aber die beiden Töchter leben noch hier.

Anlässlich des Kudlich-Sippentreffens im September 2000 lernte ich Barbara kennen, die mit ihrem Gatten auch an der Busreise mit uns nach Lobenstein, Troppau, Herlitz, Schwansdorf, Preßburg und Wien teilnahm. In Wien, in der Galerie des Schlosses Belvedere, konnten wir ein Gemälde von Helmut Krommer besichtigen.

Wie uns die Tochter Anna Krommer mitteilte, wurde die Villa ihres Großvaters in Troppau, die auch von uns besichtigt wurde, von den Tschechen enteignet.

Obwohl Helmut Krommer als aktiver Sozialdemokrat und seine Gattin als Jüdin die Heimat verlassen mussten, so ist ihr Eigentum nicht zurückerstattet worden. Hinzu kommt, dass Helmut Krommer mit Dr. Beneš gut bekannt war und das nicht nur im englischen Exil.

 

Warum hat Ihre Prager Regierung, obwohl Mitglied der NATO, die beiden Resolutionen des US House of Representatives Nr. 562 vom 13. Oktober 1998 und Nr. 557 vom 9.Oktober 1998 ignoriert? Die Resolution Nr. 551, vom 9. Oktober 1998, behandelt die Rückgabe oder Vergütung jüdischen Besitzes. Sogar in dieser Angelegenheit ist wenig geschehen.          .

Bislang hat Ihre Regierung jüdisches, antifaschistisches und kirchliches Eigentum noch nicht grundsätzlich zurückerstattet und es ist an der Zeit, diese Schritte im Interesse des tschechischen Volkes und seiner Zukunft im Rahmen der Europäischen Völkergemeinschaft zu tun.

Falls Sie mit den Töchtern von Helmut Krommer direkt Kontakt aufnehmen wollen, dann bin ich gerne bereit, Ihnen ihre Anschriften mitzuteilen. Ich bin mit ihnen verwandt.

Ihrer geschätzten Rückantwort entgegensehend, gez. Karl Hausner."

 

Die Wirkung dieses Briefes und genannter Resolutionen auf den Vertreiberstaat Tschechische Republik folgt aus zwei Antwortschreiben der tschechischen Regierung auf den Hausner-Brief vom 6. Februar 2002. Am 25. Februar 2002 antwortete Präsident Klaus:

„Geehrter Herr Hausner, aufmerksam habe ich Ihren Brief vom 6. Februar d.J. ... gelesen.

Als Vorsitzender der Abgeordnetenkammer kann ich nicht für die Regierung der Tschechischen Republik sprechen. Ich kann Ihnen aber meine persönliche Meinung mitteilen. Als liberalkonservativer Politiker bin ich damit einverstanden, dass man sich mit der Vergangenheit ausgleichen muss. Ich meine aber, dass man historische Ungerechtigkeiten nicht mit politischen Gesten ausräumen kann, sondern nur mit sorgfältigem Studium der Geschichte und mit Verständnis für den Standpunkt des Anderen.

Soweit es um Restitution geht, so war ich nie ein begeisterter Befürworter derselben. Als zeitlicher Grenzpunkt wurde bei uns der 28. Februar 1948 festgelegt. Gleichzeitig wurde die Meinung vertreten, dass man Eigentum nur physischen Personen zurückgeben sollte. Einer von wenigen Fällen, wo dieses Prinzip angewendet wurde, war die Rückgabe von jüdischem Eigentum. Ich befürchte, dass bei der Fortsetzung der Restitutionen diese eine Destabilisierung der jetzigen Eigentumsverhältnisse in der Tschechischen Republik zur Folge hätten.

Gerne möchte ich noch betonen, dass ich zu Personen, die von Krieg und Vertreibung betroffen waren, ein tiefes Mitgefühl habe.

Hochachtungsvoll, gez. Vaclav Klaus."

 

Das ist eine an sich akzeptable Antwort, die ich persönlich schätzen würde, hätte der gleiche Parlamentspräsident Klaus nicht wenige Monate später seine Parlamentarier dazu manipuliert, geschlossen für die Beibehaltung der den sudetendeutschen Völkermord sanktionierenden Beneš-Dekrete als „unabänderlichen Bestandteil der tschechischen Rechtsordnung" zu stimmen. Deswegen ist seine Sympathieerklärung für „Personen, die von Krieg und Vertreibung betroffen waren", unglaubwürdig und nichts weiter als Heuchelei.

Klaus‘ Befürchtung, mögliche Restitutionen würden zur Destabilisierung der jetzigen Eigentumsverhältnisse in Tschechien führen, ist durchaus berechtigt. Aber es sollte doch möglich sein, über solch möglichen Destabilisierungen wenigstens reden zu können mit der Möglichkeit, ein „Verständnis für den Standpunkt des Anderen" zu entwickeln.

 

Eine Kopie von Hausners Brief ist, direkt oder indirekt, an das Büro des damaligen Ministerpräsidenten Zeman weitergeleitet worden. Das resultierte in der folgenden Antwort, datiert vom 20. März 2002:

 „Sehr geehrter Herr Hausner, Ihr Brief an Ministerpräsident Milos Zeman vom 6. Februar 2002 wurde von dem Regierungsamt an die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten weitergeleitet.

Die Tschechische Republik ist sich bewusst, dass es in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als die im Jahre 1939 abgetrennten Grenzgebiete noch nicht unter voller Kontrolle der Zentralregierung und ihrer Organe standen, dort zu Verletzungen und Verstößen gegen die Richtlinien und Anweisungen der Regierung kam. Diese Stellungnahme wurde eindeutig in der Tschechisch-Deutschen Erklärung über die gegenseitigen Beziehungen und deren künftige Entwicklung vom 21. Januar 1997 im Artikel III formuliert.

Die Tschechische Republik ignoriert auf keinen Fall die von Ihnen zitierten Resolutionen (Nr. 557 vom 9.10.1998 und Nr. 562 vom 13.10.1998). Ganz im Gegenteil, schon im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit unmittelbar danach hat der Präsident der Republik Dekrete erlassen, die die Gültigkeit von Besitzübertragungen unter dem Druck von nationaler, rassischer und politischer Persekution aufgehoben haben. Der bis jetzt letzte Schritt der Regierung in dieser Bestrebung ist finanzielle Unterstützung des Stiftungsfonds für die Opfer des Holocausts (Legerova 1853/24, Praha 3, Tel. 00420/2/24261615, Fax: 00420/2/24262563, E-mail: neumannova@fondholocaust.cz, Webseite www.fondholocaust.cz). Diese Stiftung ermöglicht Entschädigung auch jener Opfer des Nazismus, die um sie im Rahmen der Nachkriegssitutionen nicht ersuchen konnten und keine tschechische Staatsangehörige sind. Auf diese Stiftung können sich auch die Töchter vom Herrn Helmut Krommer wenden. Sie müssen es aber selber machen, nicht durch einen Vertreter. - Mit freundlichen Grüßen, gez. Dr.jur. Marie Hamplova, Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit."

 

Entweder hat Dr.jur. Hamplova den Hausner-Krommer Brief nicht gelesen, oder sie hat ihn gelesen aber nicht begriffen, oder sie lügt. Absurd ist ihre Behauptung, Valerie Krommer wäre Opfer nicht tschechischer, sondern nationalsozialistischer Gewaltpolitik rassistischer Prägung. Und ihre Behauptung, die durch die Beneš-Dekrete sanktionierte tschechische Raubpolitik war „Besitzübertragung (ohne) rassische und politische Persekution" ist noch absurder, weil die Erfahrungen der Valerie Krommer bezeugen, dass betraft wurde, wer deutsch war, ohne Rücksicht auf Religion oder politische Überzeugung. Ihre größte Lüge aber ist die Behauptung, anti-deutsche Ausschreitungen in den Grenzgebieten wären 1945 außerhalb der Richtlinien der Regierung erfolgt.

 

Zum Thema Raubpolitik („Besitzübertragung") schrieb ich im Vorwort der Folge 3 des Sudetenboten folgendes: "'Es ist nicht machbar...' sprach, auf die Sudetendeutsche Initiative angesprochen, ein Professor der Berliner Humboldt Universität auf dem letztjährigen Seminar des Internationalen Willi-Wanka-Kreises im Heiligenhof. Zur Erläuterung gab er zu verstehen, dass die von der Sudetendeutschen Initiative geforderte Restitution die Wirtschaft der Tschechischen Republik zerstören würde. Dieses Eingeständnis ist ein Hinweis auf das gewaltige materielle Ausmaß des 1945/46 begangenen Völkermords. Die Ausgabe vom 7. Oktober 2004 der Sudetenpost berichtet, dass den Sudetendeutschen 1,15 Millionen Hektar Wald, 1,65 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Besitz, 55.000 Gewerbe-betriebe, 575.000 Wohngebäude, über eine Million Wohnungseinrichtungen mit dem gesamten Hausrat, 120.000 Kraftfahrzeuge, ferner Hotels, Gaststätten, Schulen, Krankenanstalten, Bäder- und Kureinrichtungen, sonstiges Gemeinschaftsvermögen, Kunstgegenstände, Büchereien, Prämienstände von Versicherungen etc. gestohlen wurden. Die Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen bewertete diesen Verlust mit 19.44 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das European Relief Program (Marshallplan) 1947 für den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft insgesamt zur Verfügung gestellt hat. Trotzdem ist es einige Jahrzehnte nach der Vertreibung allen Sudetendeutschen (Beraubten) wirtschaftlich bessergegangen als (im Durchschnitt) den Tschechen und Slowaken (Räubern). Einer verdammenswerten Raubpolitik muss demnach eine verfehlte tschechoslowakische Wirtschaftspolitik gefolgt sein.

In ihrer Ausgabe vom 15. Februar 2005 gibt die deutsche Tageszeitung Die Welt einen Überblick über das Bruttosozialprodukt der EU Länder in den Jahren 2000-2002. Daraus folgt, dass das Bruttosozialprodukt Österreichs doppelt so hoch war wie das der Tschechischen Republik. Das ist bemerkenswert, weil die sogenannten historischen Länder Böhmen und Mähren vorm Ersten Weltkrieg 50% aller Steuereinnahmen der Donaumonarchie Österreich-Ungarn einbrachten. Nach dem Krieg beliebten die ‚Friedensstifter' 1919 Böhmen und Mähren ausschließlich der neugeformten Tschechoslowakei einzuverleiben und Österreich seiner wirtschaftlichen Existenzgrundlage zu berauben. Heute, 85 Jahre später, ist der Lebensstandard in Österreich doppelt so hoch wie in Tschechien. Irgendwas müssen die Österreicher richtig, die Tschechen aber falsch gemacht haben. Hat Beneš sich wirklich „um den Staat verdient gemacht"?

 

Der Hausner-Brief an die tschechische Regierung erregte die Aufmerksamkeit der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift Aufbau. Diese zweisprachige, von 1934 bis März 2004 in New York erschienene Zeitschrift betrachtete sich als „Podium der Verständigung und des Dialogs zwischen Juden und Nicht-Juden". Sie wurde gegründet, um den von Europa kommenden jüdischen und politischen Flüchtlingen zu helfen, die bedrückenden Probleme der Fremdheit zu lösen, weil „Emigration den Verlust von Heimat, den Verlust von Sicherheit und Geborgenheit bedeuteten. Für Journalisten und Schriftsteller bedeutete Emigration auch den Verlust der Sprache. Im New Yorker Aufbau fanden sie eine ‚neue Heimat‘".

 

In einer der letzten Ausgaben, erschienen am 18. April 2002 unter dem Titel „Abschied von den Illusionen (Die Debatte um Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa)", befasst sich der Chefredakteur des Aufbau, Andreas Mink, mit der Hausner-Klaus-Zeman Kontroverse.  Es ist für ihn unfassbar, dass der „in Wisconsin als Milchbauer lebende Karl Hausner" es wagte, „jüdische Schicksale in seinen Dienst zu nehmen, sich im Windschatten von Resolutionen zu bewegen, die vor allem jüdische Ansprüche unterstützen sollen, und der für seine Agenda jüdische Kronzeugen anführt.

 

Darüber habe ich in Folge 5/6 in der im Oktober 2005 erschienene Auflage des Sudetenboten unter dem Titel „Deutsch-Tschechische Beziehungen im Amerikanisch-Jüdischen Aufbau" ausführlich berichtetMeine wesentliche Schlussfolgerung war, dass jüdische Opfer des Nationalsozialismus hemmungslos Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht fordern dürfen und auch bekommen, während Heimat- und Wiedergutmachungs-verlangen der deutschen Vertriebenen von den Eliten der Vertreiberstaaten und ihren Verbündeten lächerlich gemacht werden; das damalige Präsidiums-Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, Solomon Korn, tat solche Forderungen in der gleiuchen Auflage des  Aufbau als „wahnwitzig" ab.

           

Vor Hausner hatte bereits im Februar 1999 Hubert Kostron aus New York (gebürtig aus Glatz) in der tschechischen Botschaft in Washington für Aufsehen gesorgt, als er vier Monate nach der Verabschiedung der Resolution Nr. 562 durch das US Repräsentantenhaus in Amerika lebende Sudetendeutsche aufforderte, bei der Botschaft Restitutionsansprüche für enteignetes Vermögen zu stellen. Kostrons Anregung folgend sandte ich damals folgenden Brief an die tschechische Botschaft in Washington:

 

"Sehr geehrter Herr Botschafter: Bezugnehmend auf Resolution Nr. 562, die am 13. Oktober 1998 vom US-Kongress verabschiedet wurde, fordere ich hiermit von der Regierung der Tschechischen Republik die sofortige Rückgabe des 1945 von der Regierung der Tschechoslowakei widerrechtlich enteigneten Besitzes meiner Eltern. Bei diesem Eigentum, das auf Grund von Kopien von Grundbucheintragungen seit Jahrhunderten im Besitz meiner Familie ist, handelt es sich um Häuser und Grundstücke Nr. 77, 78, 79, 268 und 352 in Peterswald, Kreis Aussig, und um landwirtschaftliche Nutzflächen von 16.8 Hektar in Peterswald und 6.2 Hektar in Schönwald, Kreis Aussig. Ich bin der rechtmäßige Erbe des oben genannten Besitzes, der meinen Eltern im Verlauf der ethnischen Säuberung der deutschen Minderheit in Ihrem Land 1946 völkerrechtswidrig geraubt wurde; ethnische Säuberungen sind Menschenrechtsverletzungen auf Grund der Konventionen der Vereinten Nationen.

 

The Resolution Nr. 562 des US-Repräsentantenhauses fordert im Besonderen die Tschechische Republik auf, alle Diskriminierungen ihrer Staatsbürger rechtlich und verwaltungsmäßig einzustellen und verlangt gerechte Kompensation für verlorenen Besitz, falls dieser nicht rückerstattet werden kann.

Ich bitte um Zusendung der entsprechenden Formulare, mit denen ich formell Rückerstattung oder Kompensation widerrechtlich enteigneten Vermögens beantragen kann. Mit vorzüglicher Hochachtung, gez. Rudolf Pueschel." Auf eine Antwort auf diesen Brief warte ich noch heute.

 

Über meine und circa 100 andere bei der tschechischen Botschaft eingegangene Forderungen äußert sich Chefredakteur Mink im Aufbau am 18. April 2002:

„Die Resolution (Nr.562) hatte ... ganz unbeabsichtigte Folgen. Diese bekam zu Beginn des Jahres 1999 die tschechische Botschaft in Washington zu spüren. Dort gingen seither über 100 Formbriefe ein, in denen in die USA emigrierte Sudetendeutsche die Rückgabe ihres Familienbesitzes in Tschechien fordern. ... Die recht höflich gehaltenen Formbriefe wiesen ... darauf hin, daß es sich bei der Vertreibung der Sudeten um eine ‚Verletzung der Menschenrechte' gehandelt habe. In den Briefen steckt aber auch glühende Emotion. Zumindest ein Anspruchsteller konnte sich nicht zügeln und schrieb auf die Rückseite seines Umschlags: ‚An die tschechische Nation! Jetzt könnt Ihr Euren serbischen Brüdern die Hand geben. Die tun jetzt, was Eure Leute den Sudetendeutschen zugefügt haben. Nur wurdet Ihr nicht dafür bestraft. Aber Gott wird Euch bestrafen!'

Die Briefe trafen zu einem sensiblen Zeitpunkt bei der tschechischen Botschaft an der Spring of Freedom Street (Frühling-der-Freiheit-Strasse) ein: Anfang 1999 entschloss sich Prag nach einigem Zögern, sich im Namen tschechischer Überlebenden-Verbände in den Streit um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern einzuschalten.

Mit dieser Aufgabe wurde Dr. Antonin Hradilek betraut, der stellvertretende Botschafter. Der Arzt hatte vor 1990 dem Dissidenten-Milieu angehört. ... Am Ende der sozialistischen Ära war er für einige Wochen inhaftiert, weil er sich in einem TV-Interview für engere Bindungen zwischen den Tschechen und der Bundesrepublik ausgesprochen hatte. Hradilek erinnert sich auch daran, daß er seinerzeit in Prag mit dem Sudeten-Funktionär Bernd Posselt ein freundliches Bier getrunken hat.

Hradilek stand sicher nicht allein mit seiner positiven Haltung zur Bundesrepublik: Das Land war der Vorposten der USA, ein Symbol für Demokratie, Freiheit und Wohlstand. Inzwischen ist diese Sympathie einer Verbitterung gewichen, die sehr viel mit verletztem Nationalstolz zu tun hat: Die Vergangenheit - die ganze Geschichte und die Geschichten seit Mitte des 19. Jahrhunderts - steht wieder zwischen den Deutschen und den Tschechen.  ...

Besonders heftig wird ... über die Zeit zwischen 1918 und 1948 gestritten: Wurden die Deutschen in der Tschechoslowakei unterdrückt? Blieb ihnen daher praktisch gar nichts übrig als ‚heim ins Reich' des Adolf Hitler zu streben? Liegt die Verantwortung für das Münchner Abkommen und die Zerschlagung der ersten tschechoslowakischen Republik daher bei Prag? Für die Tschechen ist es ganz klar, daß die Sudeten ihren Staat gesprengt haben.

Sie legen ihnen daher die folgende Teilung, die brutale Vertreibung der Tschechen aus den Sudetengebieten (sic) und den Terror der langen deutschen Besatzung vor die Füße. Dabei haben sich Sudeten wie der Gauleiter (sic) Hans (sic) Hermann Frank besonders hervorgetan.

Die anschließende gewalttätige Vertreibung der Sudeten wirkt in einem schlichten Szenario von Schlag und Gegenschlag nur als bislang letzte Runde in einem fatalen und sinnlosen Ringen der Nachbarvölker. ... Aber wie ist die von keiner staatlichen Instanz gelenkte (sic) ‚wilde Phase' der gegen die Sudeten gerichteten Gewalt im Sommer 1945 zu erklären, bei der nach Sudeten-Auffassung 240.000 Deutsche ums Leben kamen? Die Historiker gehen allerdings längst von 18.000 bis 30.000 deutschen Opfern aus.

Zwischen 1938 und 1945 hat der Konflikt zwischen Tschechen und Sudetendeutschen eine ganz neue Qualität erreicht - nun betrieb die deutsche Seite von Staats wegen die ‚Vernichtung der tschechischen Nation'. ... Die Vernichtungspolitik der NS-Führung hat Nationen und Staaten in eine Zone der entfesselten Gewalt katapultiert, die eben nicht pünktlich zum 8. Mai 1945 eingehegt und beendet werden konnte. Diese von Deutschland ausgehende Auflösung moralischer und legaler Barrieren war ein dynamischer, nach 1941 immer schneller verlaufender Prozess, der uns heute nur auf einer sehr abstrakten Ebene nachvollziehbar erscheint. Deutschland hat eine Zone geschaffen, in der die Existenz von Abermillionen auf einen animalischen Kampf um das Überleben reduziert wurde. Beim Zusammenbruch der Nazi-Macht mußte sich dieses enorme Aggressions-Potential gegen alles Deutsche richten.

Es kann daher niemand bezweifeln, daß bei Kriegsende entsetzliche Verbrechen gegen die deutsche Zivilbevölkerung verübt wurden, die seit Jahrhunderten in Ostpreußen, Schlesien, dem Sudetenland, dem Banat gelebt hatten, um hier nur einige Gebiete zu nennen. Nur steht eben jetzt die Frage im Raum, wie die Deutschen mit diesem Unrecht umgehen sollen.

Die aktuelle Debatte um Flucht und Vertreibung zeugt vom Ausmaß der im Krieg entfesselten Gewalt. Sie treibt uns ganz offensichtlich in vielerlei Gestalt immer noch um - ja sie mag manchen locken, sie wieder anzufachen: Der Wunsch nach Revanche ist kein friedliches Sentiment.

Genau das schlägt der tschechischen Diplomatie aber aus den Formbriefen der Sudeten entgegen. Als diese 1999 bei Hradilek landeten, ließ er sie zunächst in der Ablage verstauben. Erst nachdem die Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa Anfang dieses Jahres plötzlich Schlagzeilen machte, kramte Hradilek die Briefe wieder hervor. Im Februar hatte sich der tschechische Präsident (sic) Milos Zeman zu der Äußerung hinreißen lassen, die Sudeten seien Hitlers ‚fünfte Kolonne' gewesen. Damit hat er (eine) neue Debatte um die ‚Beneš-Dekrete' losgetreten. Seither trafen auch neue Sudeten-Briefe bei Hradilek ein.

Eines dieser Schreiben löste heftige Emotionen in der Botschaft aus: Da zitierte der in Wisconsin als Milchbauer lebende Sudete Karl Hausner den Bericht der ‚Jüdin Valerie Krommer' die im August 1945 miterlebt hatte, wie die ‚Sudetendeutschen auf brutale Weise deportiert', ausgeplündert und mißhandelt worden sind (Krommer ist Mutter der Dichterin Anna Krommer, die auch im Aufbau veröffentlicht hat). Auch Antifaschisten seien aus ihren Häusern verjagt und in primitiven Baracken untergebracht worden. Dann sprach Hausner Resolution 562 an und wies darauf hin, daß auch jüdische Familien bislang nicht von Prag entschädigt worden seien.

Das war eine ziemlich smarte, wenn auch nicht umwerfend neue Argumentation: Die Landsmannschaft-Leute (sic) nehmen jüdische Schicksale in ihren Dienst, bewegen sich im Windschatten von Resolutionen, die vor allem jüdische Ansprüche unterstützen sollen und führen für ihre Agenda jüdische Kronzeugen an.

Nun nahm die Botschaft den Fehdehandschuh auf. Die Diplomaten gingen in die Prager Archive und forschten nach den Familien der Anspruchsteller. Erste Ergebnisse nach wenigen Wochen: Ein hoher Prozentsatz der Anspruchsteller stammt aus Familien, in denen es nur so wimmelt von NSDAP-Mitgliedern, SS-Leuten und Trägern der ‚Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938'. Diese hatte Nazi-Deutschland nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei durch das Münchner Abkommen vom September 1938 vor allem den Mitgliedern des ‚Sudetendeutschen Freikorps' verliehen. Heute würde man diese Organisation ‚terroristisch' nennen - sie hat mit ihren Anschlägen auf Einrichtungen der Tschechoslowakei erheblich zur Zerschlagung der Republik beigetragen.

Die tschechische Botschaft arbeitet nun daran, die Initiativen der Sudeten in USA vor der amerikanischen Öffentlichkeit bloß zu stellen. 'Nazi-Familien fordern Wiedergutmachung von den Opfern' wäre sicherlich eine Schlagzeile mit einigem Aufmerksamkeitswert. Und mancher dürfte der Versuchung erliegen, da eine ungebrochene Kontinuität von sudetendeutschem Terrorismus über Mitwirkung an der Nazi-Herrschaft bis hin zu den heutigen Aktivitäten der Landsmannschaft zu sehen.

Vergangenheits-Debatten entwickeln eine ganz eigene Sogwirkung. Bei den Recherchen zu diesem Text waren alle Gesprächspartner über die Macht der Emotionen verwundert, die da derzeit hochgespült werden. Wie damit umgehen? Es gibt außerhalb der Grenzen Deutschlands niemanden, der den Vertriebenen, aber auch den anderen Angehörigen der Kriegsgeneration dabei helfen kann, mit ihren traumatischen Erlebnissen, aber auch mit ihrer Wut und ihren Rachegelüsten fertig zu werden. Zuallerletzt die Tschechen, die ihrerseits von zornigem Nationalismus geschüttelt werden.

Das Wort von Egon Bahr, es sei ‚bitter aber auch notwendig' gewesen, den Vertriebenen die Illusion zu nehmen, jemals wieder in ihre Heimat zurück kehren zu können, trifft auch auf die aktuelle Situation zu: Das offene Gespräch über das Leid der Deutschen ist heute notwendig geworden. Am Horizont dieses Gesprächs könnte ein Ausbruch aus dem Raum der Gewalt stehen, der zwischen 1939 und 1945 von Hitler-Deutschland aufgerissen wurde. Politisch ließe sich dies durch eine allseitige Beilegung aller aus dem Vernichtungskrieg herrührenden materiellen Forderungen flankieren: Wo es keine Illusionen mehr gibt, da fehlt auch Befürchtungen die Substanz."

 

'Nazi-Familien fordern Wiedergutmachung von den Opfern' ist das übliche Schwingen der Nazikeule. Sie dient dazu, der Menschheit in Erinnerung zu rufen, dass im Rahmen einer seit 1945 existierenden Neuen Weltordnung Deutsche nur Täter aber niemals Opfer sein dürfen. Allerdings verfehlt sie diesmal ihr Ziel: Valerie Krommer war Jüdin und stand damit den Nationalsozialisten in keiner Weise nahe. Ihr Gatte Helmut sowie alle Personen, die sie in ihrem Brief erwähnt (Erben, Dr.Mühlberger, Kreibich, Dr.Sitte), waren Antifaschisten. Trotzdem wurden sie alle von den tschechischen Behörden verfolgt, benachteiligt und schließlich aus der Heimat vertrieben.

 

Es ist durchaus als positiv zu bewerten, dass Aufbau-Chefredakteur Mink das Kind beim Namen nennt: Er schreibt von Vertreibung, anstatt Abschub oder Umsiedlung. Und er bezeichnet die Vertreibung als Unrecht, anstatt als Notwendigkeit, Hitlers fünfte Kolonne zu vernichten (Zeman) oder den Frieden in der Welt zu sichern (Spidla). Aber er liegt falsch in der Annahme, ein Nicht-mehr-in-die-Heimat-zurück-wollen oder Restitutionsverzicht wäre eine Lösung der Probleme, die die Vertreiber-Nation Tschechische Republik sich mit dem Völkermord an der sudetendeutschen Volksgruppe aufgeladen hat. Die meisten der Vertriebenen haben schon lange keine Möglichkeit mehr, in die Heimat zurück zu wollen oder Vergütung für gestohlenen Besitz zu verlangen, weil sie nicht mehr am Leben sind. Die Zeitspanne, in der die Erlebnisgeneration insgesamt ausgestorben sein wird, ist eine einstellige Zahl von Jahren.

 

Mit dem Aussterben der Erlebnisgeneration findet der sudetendeutsche Völkermord seinen Abschluß. Die Regierenden in Prag, und ihre sie applaudierenden Kollegen in Berlin und anderswo, mögen diese biologische Lösung eines ihrer Probleme, von den überlebenden Sudetendeutschen andauernd des Völkermords beschuldigt zu werden, willkommen heißen. Sie sollen den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir, die Erlebnisgeneration hinterlassen unsere Spuren durch Zeugenaussagen in Wort und Bild, um künftigen Historikern eine Gelegenheit zu geben, die von den heute in Prag Regierenden verbreiteten Geschichtslügen zu entlarven und den sudetendeutschen Genozid in der Geschichte den richtigen Platz einzuräumen. Zu dieser Aufgabe hat, unter anderen, der seit 40 Jahren erscheinende Sudetenbote und sein Gründer, der sudetendeutsche Sozialdemokrat, Hitler-Gegner und Gestapo-Flüchtling Willi Wanka wesentlich beigetragen.

 

Andreas Mink irrt auch in der Annahme, dass „außerhalb der Grenzen Deutschlands es niemand (gibt), der den Vertriebenen, aber auch den anderen Angehörigen der Kriegsgeneration dabei helfen kann, mit ihren traumatischen Erlebnissen ... fertig zu werden." Dazu äußert sich der langjährige Beamte bei der UN Menschenrechts-Kommission, Alfred de Zayas, in seinem Buch „Heimatrecht ist Menschenrecht":

„Die Vertreibung aus der angestammten Heimat ist ein weltweites Problem, das noch heute Millionen Opfer fordert und viele Historiker und Politiker beschäftigt. Die Vereinten Nationen, die Europäische Menschenrechtskommission bzw. der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, die Inter-Amerikanische Menschenrechtskommission und der Menschenrechtshof beschäftigen sich damit, insbesondere seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Auflösung der Sowietunion.

In den vergangenen Jahrzehnten ist viel auf universeller und regionaler Ebene getan worden, um das Recht auf Heimat und Besitz zu kodifizieren. Eigentlich sollte es keiner Kodifizierung bedürfen, weil alle Menschen eine Heimat haben mit dem im Naturrecht begründeten Anspruch, dort in Frieden zu leben und nicht von anderen daraus vertrieben zu werden. Jeder Mensch, jedes Volk und jede Volksgruppe besitzt dieses fundamentale Menschenrecht, das im Selbstbestimmungsrecht der Völker, im völkerrechtlichen Gewaltverbot, und im Annexionsverbot verankert ist.

Darüber hinaus stellt dieses Recht auf Heimat eine Voraussetzung zum Genuss anderer Menschenrechte dar, weil bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte nicht im leeren Raum, sondern ganz konkret auf dem Gebiet ausgeübt werden, wo der Mensch zu Hause ist. Deswegen beinhaltet die Verletzung des Rechts auf Heimat durch Vertreibung gleichzeitig die Außerachtlassung einer ganzen Reihe völkerrechtlicher Normen, zum Beispiel der universellen und regionalen Menschenrechtskonventionen, der Nürnberger Rechtssprechung und einschlägiger UN-Resolutionen.

Bei der Europäischen Menschenrechtskommission bzw. beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ist auf das im 4. Protokoll der Europäischen Menschenrechtskonvention enthaltene Vertreibungsverbot hinzuweisen, sowie auf das 1. Protokoll, das den Schutz des Privateigentums festlegt. In konkreten Fällen haben sich die Europäische Menschenrechtskommission und der Europäische Gerichtshof für Menschenerechte dazu geäußert. So stellt das Urteil vom 18. Dezember 1996 im Fall Loizidou vs. Türkei einen bedeutenden Präzedenzfall für die Anerkennung des Rechts auf Heimat, des Rückkehrrechts, des Rechts auf Privateigentum und des Rechts auf Schadenersatz dar".

 

Die von Amerikanern sudetendeutscher Herkunft an die Botschaft in Washington oder an die Regierung in Prag gestelltenen Forderungen, ebenso wie die 2000 ins Leben gerufene Sudetendeutsche Initiative, reflektieren das Bekenntnis zum Recht auf Heimat und auf Besitz im Sinne solcher Menschenrechte und sind nicht, wie Chefredakteur Mink zu erkennen glaubt, „Wunsch nach Revanche" der „kein friedliches Sentiment" sein kann. Dies kann ich für mich persönlich bezeugen, und dafür lege ich meine Hand ins Feuer auch für meinen im Juni 2004 verstorbenen Freund Karl Hausner, den Mink „einen in Wisconsin lebenden Milchbauer" nennt.

Trotz brutaler Vertreibung mit seiner Familie von seiner 26 Hektar großen Landwirtschaft in Sudetenschlesien im Jahre 1945, und trotz vorheriger Internierung mit 16 Jahren, verbunden mit brutaler Zwangsarbeit im Kohlebergbau bei nicht ausreichender Verpflegung und Verweigerung ärztlicher Hilfe (eine damals nicht behandelte akute Augenentzündung führte zu totaler Erblindung mit bereits 40 Jahren) versäumte Karl Hausner keine Gelegenheit, seine Heimat zu besuchen um der Zerstörung von Kirchen und anderer Kulturstätten Einhalt zu gebieten. Das tat er vollkommen selbstlos, weil es unvorstellbar ist, dass er jemals in Sudetenschlesien wieder sesshaft werden wollte.

Trotz allen erlebten Unrechts kannte Hausner weder Haß noch Rache. Während seiner Besuche in der früheren Tschechoslowakischen und heutigen Tschechischen Republik suchte er Freundschaft mit jenen, die heute das damals deutsche Sudetenland bewohnen und verwalten. "Ich bin nicht blind, ich habe bloß mein Augenlicht verloren", erinnere ich mich, ihn sagen zu hören. Und an anderer Stelle ermahnte er mich "du hast zwar dein Augenlicht, ich aber habe Visionen." Kein Zeuge des Vortrags seines "Vaterunser der Vertriebenen" wird jemals die dabei empfundene Rührung und Ehrfurcht vergessen können: "...Herr, vergib ihnen, denn sie wußten nicht, was sie taten!"

Nach Emigration in die USA im Jahre 1952 träumte er nicht nur, sondern lebte Hausner den "American dream". Praktisch aus dem Nichts brachte er es zum erfolgreichen Unternehmer und Farmer; der „in Wisconsin lebende Milchbauer laut Mink)" besaß 1200 Hektar Ackerland mit 3000 Milchkühen, und in Illinois besaß und leitete er erfolgreich eine Fabrik für medizinisch-technische Geräte, die noch heute produziert. Der mit dem geschäftlichen Erfolg verbundene Wohlstand erlaubte es ihm, seine politisch-philosophischen Ansichten ohne Rücksicht auf "political correctness" gewinnen und in bisher noch ungezählten Veröffentlichungen in Presse, Rundfunk und Film verbreiten zu können. Er zögerte auch nie, seine Ansichten den Regierungen in Washington, Berlin und Prag kund zu tun.

 

Abkehr von Revanche ist auch Sinn und Zweck der bereits 1950 verabschiedeten Charta der Heimatvertriebenen. In ihr verzichten die deutschen Heimatvertriebenen auf Rache, verlangen aber die Anerkennung ihres Rechts auf Menschenwürde und die Verwirklichung ihres Rechts auf Besitz und Heimat. Bekenntnis zu Menschenrechten bedeutet, daß solche Rechte in Anspruch genommen werden dürfen, aber nicht in Anspruch genommen werden müssen. Ich bekenne mich uneingeschränkt zur Charta der Heimatvertriebenen und gestehe allen Menschen in Gegenwart und Zukunft das Recht auf Heimat und auf Besitz zu, obwohl ich nicht die Absicht habe, jemals in meine angestammte Heimat im Sudetenland zurückzukehren. Das wiederum tut der Gültigkeit des 1947 gemachten Ausspruchs des britischen Juden, Sozialisten, Verlegers und Philanthropen Victor Gollancz keinen Abbruch: „Sofern das Gewissen der Menschheit jemals wieder empfindsam werden sollte, werden diese Vertreibungen als die unsterbliche Schande all derer im Gedächtnis bleiben, die sie veranlaßt oder sich damit abgefunden haben. ... Die Deutschen wurden vertrieben, nicht nur mit einem Mangel an Rücksichtnahme, sondern mit dem denkbar größten Maß an Brutalität."  Letzteres hat Valerie Krommer 1945 persönlich erlebt und beschrieben.

 

Rudolf Pueschel

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Monday, November 9, 2015

Absiedlungskosten fuer Nahost-Fuechtlinge
 The High Cost of Resettling Middle Eastern Refugees

Given limited funds, relocation to the U.S. may not be the most effective way to help

By Steven A. Camarota and Karen Zeigler

Eine Zusammenfassung in Deutsch ist auf Seite 3

As Americans continue to debate what to do about the humanitarian crisis in the Middle East, this analysis attempts to estimate the costs of resettling refugees from that region in the United States. Although we do not consider all costs, our best estimate is that in their first five years in the United States each refugee from the Middle East costs taxpayers $64,370 — 12 times what the UN estimates it costs to care for one refugee in neighboring Middle Eastern countries. The cost of resettlement includes heavy welfare use by Middle Eastern refugees; 91 percent receive food stamps and 68 percent receive cash assistance. Costs also include processing refugees, assistance given to new refugees, and aid to refugee-receiving communities. Given the high costs of resettling refugees in the United States, providing for them in neighboring countries in the Middle East may be a more cost-effective way to help them.

Among the findings of this analysis:

•              On average, each Middle Eastern refugee resettled in the United States costs an estimated $64,370 in the first five years, or $257,481 per household.

•              The UN High Commissioner for Refugees (UNHCR) has requested $1,057 to care for each Syrian refugee annually in most countries neighboring Syria.

•              For what it costs to resettle one Middle Eastern refugee in the United States for five years, about 12 refugees can be helped in the Middle East for five years, or 61 refugees can be helped for one year.

•              UNHCR reports a gap of $2.5 billion in funding that it needs to care for approximately four million Syrians in neighboring countries.

•              The five-year cost of resettling about 39,000 Syrian refugees in the United States is enough to erase the current UNHCR funding gap.

•              The five-year costs of resettlement in the United States include $9,230 spent by the Office of Refugee Re-settlement (ORR) within HHS and the Bureau of Population, Refugees, and Migration (PRM) within the State Department in the first year, as well as $55,139 in expenditures on welfare and education.

•              Very heavy use of welfare programs by Middle Eastern refugees, and the fact that they have only 10.5 years of education on average, makes it likely that it will be many years, if ever, before this population will cease to be a net fiscal drain on public coffers - using more in public services than they pay in taxes.

•              It is worth adding that ORR often reports that most refugees are self-sufficient within five years. How-ever, ORR defines “self-sufficiency” as not receiving cash welfare. A household is still considered

“self-sufficient” even if it is using any number of non-cash programs such as food stamps, public housing, or Medicaid.

•                 Refugees are admitted for humanitarian reasons, not because they are supposed to be self-sufficient, so the drain on public coffers that Middle Eastern refugees create is expected. However, given limited resources, the high cost of resettlement in the United States means careful consideration should be given to alternatives to resettlement if the goal is the help as many people possible.

Steven A. Camarota is the Director of Research and Karen Zeigler is a demographer at the Center for Immigration Studies. 629 1629 K  Street, NW, Suite 600, Wauite 600 • Washington, DC 20006 Phone 202.466.8185 • center@cis.org 202.466.8076 • www.rcis.org • www .cis.org.

 

Conclusion

America has a long tradition of being a refuge for those fleeing war and persecution, but the modern system of refugee resettlement comes with a very high cost. This analysis attempts to conservatively estimate the costs for refugees from the Middle East based on government data. One may argue that when it comes to refugees costs should not matter because refugees are admitted for humanitarian reasons. But this position makes little sense. Funds to resettle refugees in this country or to help them overseas are never unlimited and there are always competing demands for public monies. The federal budget deficit was more than $400 billion in 2015 and 47 million U.S. residents live in poverty, including one-fifth of the nation’s children. Resources to deal with the humanitarian crisis in the Middle East are finite.

Processing refugee applicants, assisting charities that serve refugees, helping state and local governments in refugee-receiving communities, and providing welfare and public education create estimated costs of $64,370 in the first five years after a refu-gee arrives from the Middle East. These costs are significant and must be incorporated into any discussion of how best to handle the Middle East refugee crisis.

The UN spends $1,057 per refugee to help them in the region. Comparing the five-year cost of bringing one refugee to the United States to the cost of providing for someone in the region shows that for each refugee resettled here, 61 can be helped if they remain in a safe neighboring country such as Turkey, Jordan, or Lebanon for one year. At present, the UN reports a $2.5 billion funding gap between what it needs to care for some four million Syrian refugees in the Middle East and what it has received from donor nations. This is equal to the five-year costs of resettling just 39,000 Middle Eastern refugees in the United States.

Wealthy countries like the United States that have costly refugee resettlement programs face a choice: They can help a relatively tiny number of refugees who in effect win what might be called the “migration lottery” and are resettled here, or they can devote the limited resources available to helping many more refugees in the region for the same amount of money. If the goal is to help as many people as possible, then assisting Middle Eastern refugees in their home region gives a far greater return on public money.

To be sure, the material life of refugees in the United States will, with few exceptions, be better than if they remain in the region. However, providing for them a neighboring country has two additional advantages other than being more cost-effective. First, other countries in the region have similar cultures, while adapting to the United States can be challenging for people who have already suffered from war and deprivation. Second, if refugees remain in the region, they will be much more likely to return home once the war is over. If, on the other hand, they are resettled on the other side of the world in this country, it is much less likely they will ever return to their home country.

The refugee crisis in the Middle East defies simple answers. If the United States wants to help, it must soberly assess what can be done, ausgegeben given limited resources. This analysis has shown, not surprisingly, that resettling refugees in this country is very costly. This fact must be a part of any discussion of what to do about the current humanitarian crisis.

 

Zusammenfassung in Deutsch:

         Im Durchschnitt kostet jeder Nahost“fluechtling“ der USA fuer die Wiederansiedlung geschätzte $64 370 oder $257 481 pro Familie fuer die ersten 5 Jahre.

         Der UN Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) fordert $1057 für jeden syrischen Flüchtling für seine Wiederansiedlung in einem der Nachbarländer Syriens.

         Für die Fünfjahreskosten der Ansiedlung eines Nahostflüchtlings in den USA kann im Nahen Osten 12 Flüchtlingen für 5 Jahre geholfen werden.

         UNHCR braucht $2,5 Milliarden, um ungefähr 4 Millionen Syrern in Nachbarländern zu helfen.

         Die Fünfjahreskosten der Ansiedlung von 39 000 Syriern in USA reichten aus, diese Kosten zu decken.

         Die Fünfjahreskosten der Ansiedlung in USA enthalten $9230 vom Office of Refugee Resettlemet (ORR) und dem Bureau of Population, Refugees and Migration (PRM) des State Departments für das erste Jahr, sowie zusätzliche $55139 in Ausgaben für Sozialleistungen und Ausbildung.

         Häufiger Bedarf an sozialer Fürsorge der Nahostflüchtlinge und die Tatsache, dass sie im Durchschnitt nur 10,5 Jahre Ausbildung haben, lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass es lange dauern wird bis dieser Bevölkerungsanteil, wenn überhaupt, von öffentlichen Geldern unabhängig sein wird. Unabhängigkeit von öffentlichen Geldern bedeutet, dass er mehr Steuern zahlt als er dem Staat durch Soizalleistungen kostet.

         ORR schätzt, dass nach  5 Jahren die Flüchtlinge von staatlicher Unterstüstzung unabhängig sein werden und sich selbst ernähren können. Allerdings bedeutet „Selbsternährung“ Unabhängigkeit von öffentlichen Geldern. Somit ist ein Haushalt „selbst-versorgend“, selbst wenn er auf materielle Sozialleistingen (Lebensmittelmarken, öffentliches Wohnen, oder staatliche Gesundheitshilfe) angewiesen ist.

Diese Zahlen beweisen, dass es mehr kosteffektiv ist und dass einer grösseren Zahl Flüchtlingen geholfen werden kann, wenn sie in einem Nachbarland angesiedelt werden. Das haette die zusätzlichen Vorteile, erstens dass sie in Ländern mit ähnlichen Kulturen angesiedelt werden, und zweitens dass eine Rückkehr in die Heimat einfacher zu bewerkstelligen sind, und vor allem ersparten sie sich eine lebensgefährliche (Schlauch)bootsreise übers Mittelmeer.

Rudolf Pueschel

5:56 pm pst          Comments

Monday, November 2, 2015

A Modest Proposal for Chancellor Merkel

Published on Saturday, October 31 of 2015 by Sonico

by Jett Rucker

Germany-or the German government and its taxpayers, anyway-is all things to all people, at least so far as money, weapons and even Lebensraum (living space) are concerned. While Germany was still digging itself out of its own rubble, in 1952, then-Chancellor Konrad Adenauer generously donated ongoing reparations payments to victims of the Holocaust, extracted from his surviving countrymen as they struggled to rise from their ashes. Since then, Germany's hard-working Bundesfinanzministerium has ladled out uncounted billions of dollars' worth of these reparations to people said to have been harmed in, during, by, or around the time of the war that Germany lost. It is expensive to lose wars-more expensive, even, than winning them, which isn't cheap, either.

So Germany, these past 63 years, has been taxing its survivors of World War II, their children, and now their grandchildren to compensate people (where the recipients were not outright frauds) who might have been at risk of inconveniences at the hands of the German occupiers of the countries they said they were in at some such time as German forces might have passed nearby on their way to someplace else. Well, there's justice at least for those threatened by the vaunted Holocaust, and rather less justice for the grandchildren of the soldiers who were drafted into the Wehrmacht, and their wives, sisters, sons and daughters in time.

And on top of that, the weapons. Back when Israel was first about conquering its own Lebensraum in Palestine, German weapons aplenty, even Czech-made knockoffs of the vaunted Messerschmitt fighter, figured critically into the success of the Palmach and its vicious auxiliaries-knockoffs of the Waffen SS-the Irgun and the Stern Gang in eviscerating the existing Arab communities in the Chosen Homeland of the Chosen People. But those weapons were, by hook or by crook (usually the latter) bought and paid for by the end users. In more-recent times, Germany has been giving such billion-dollar gifts as Dolphin-class submarines capable of roaming the world underwater and launching cruise missiles tipped with nuclear warheads at targets hundreds of miles inland. Now that Israel is in full control of its hinterland and rapidly expanding it behind walls and its total regional air superiority (courtesy of the American taxpayers), Germany cannot bestow its cutting-­edge brand-new military hardware upon Eretz Yisrael fast enough, free for nothing! Deutschland, Quelle von allem (Germany, Source of Everything), the new national anthem might go, at least as heard in Israel.

Now, with millions of Syrians and other Middle Easterners growing weary of living under the threat of bombs actually dropped by American, Russian and other countries' aircraft, and the attendant withering under years of such disruptions of their economies, Frau Bundeskanzlerin offers not only what is left of her countrymen's wealth, but their culture, language and living space as well to uncontrollable millions of foreigners who find it rewarding in their present circumstances to take her up on her generous offer. Konrad Adenauer, move over; just when it seemed impossible, you've been outdone, once again at the expense of the beleaguered German taxpayer.

At the instance of its "democratic" government, Germany is hemorrhaging treasure and now its territory and cultural heritage through more orifices than one would care to name, entirely leaving out its ongoing funding of fiscal profligacy in Greece and other partners in the European Central Bank headquartered in Frankfurt.

How much further can this go before the good (original) people of Germany rebel, or simply give up and drop dead of exhaustion? Couldn't something give? Nobel Laureate Günter Grass has already attacked the military largesse Germany's government bestows on Israel's government by way of eminently well-founded questioning on moral grounds, while he left the financial/economic effects to the accountants and other non-laureates who might concern themselves with such mundane matters. Construction of Dolphin-class weapons systems is nothing if not a huge boondoggle for the benefit of the current regime in tax­ridden Germany, quite like the military-industrial complex that exercises so much power over the tapped-out American taxpayer.

Angela Merkel, in any case, has hitched her political wagon to a powerful juggernaut of conscience[*] in putting her countrymen's living space and wherewithal at the disposal of millions of foreigners tired of the wars being waged in their homelands largely with imported weaponry. If reasonable victims of this profligacy begin to shout "Genug” (Enough!), would there be anything that could be done for them without slighting the current project in second-hand altruism?

Of course, there's a great deal of pork to cut on this lumbering sow-the first problem to arise is simply where to start. Günter Grass has resoundingly pointed the way to start by merely citing undeniable moral imperatives; it's conceivable that progress has already been attained on this front. But there is another slab of fat that today demonstrably is wasted upon thousands-perhaps millions-of frauds or but-lightly qualified beneficiaries who in their turn besmirch Germans and Germany with an eternal mantle of shame for the alleged misdeeds of the forebears of ever-fewer of those today residing (or squatting) in Germany.

Those reparations payments. If there ever was anybody to whom Germans could be said for any reason to have owed reparations payments for policies attributed to the National Socialist government of Germany of early in the past century, the numbers of such people today could not be as many as 10,000. In the meantime, the ever-burgeoning class of mendicants under Germany's reparations program remains stubbornly above a million, largely on the score of survivors' children continuing to collect payments to victims who died many years ago. We are today incontrovertibly looking at a program of guilt-ridden waste of greater than 99 percent, and from here, it can only get worse.

lt will have to be cut off sooner or later-the lines of people with their palms outstretched will never go away, no matter how bald-faced the lying they have to do to get or keep their snouts in the trough.

Could this be the time, when Angela Merkel has so generously offered not only her countrymen, but their country itself as well for the delectation of yet another people discommoded by prolonged warfare[+]? Merkel may have to defend herself and her nation­dissipating policies against growing numbers of people who recognize how it is impoverishing them while threatening their peace and safety at the same time. Perhaps, along with serving justice (by discontinuing injustice) she could mollify those attacking her by shutting down the Conference on Jewish Material Claims against Germany, save Germany a few billion euros, and put an end to one of the largest, most-enduring fraudfests our hectored world has had to bear the sight of.

lt would be a bold move, of benefit, for a change, to her countrymen.

That's why she'd never do it.

[*] I owe this phrase to N. Joseph Potts, author of the January 2010 article in Smith's Report titled "Free Riding on the Juggernaut of Conscience."

See http://codoh.com/media/files/documents/newsite/sr/on line/sr _168. pdf.

[t] Hitler and his supporters made much political hay from popular aversion to immigrants, legal and otherwise, from the east who flooded Germany and Austria after they lost World War I. Most of these were Jews fleeing the virulent anti-Semitism that reigned to the east of Germany and, well, the rest is history. Foreign Jews constituted only part of Hitler's anti­Jewish program and of the popular conceptions to which it played.

4:25 pm pst          Comments

Sunday, November 1, 2015

Sudetendeutsch – Seit wann und wie lange noch?

 

Die „Nachrichten der Sudetendeutschen in Baden-Württemberg“ vom 15. September 2015 berichten, dass der in Wien geborene und in der Schweiz lebende Historiker und Politwissenschaftler, Peter Josika, für die Abschaffung des Begriffs „sudetendeutsch“ plädiert. Er schlägt vor, die „historisch belastete“ Bezeichnung „Sudetendeutsche“ in „Deutsche aus Böhmen, Mähren und Schlesien“ umzutaufen.

Diese Kontroverse um den Begriff „sudetendeutsch“ ist nicht neu. Zum Beispiel hat die Seliger-Gemeinde, eine Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten, bereits 1981 die angebliche Problematik des nach ihrer Meinung „historisch gewordenen“ Begriffs „sudetendeutsch“ zur Sprache gebracht. Auf ihrer damaligen Jahrestagung verfaßte sie eine Entschließung, in der sie unter Hinweis auf das im November 1959 verabschiedete "Godesberger Programm" der SPD die konsequente Erfüllung eines allgemein nützlichen „Volksgruppenrechts“ verlangt. Der Vorstand der SPD wurde ersucht, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die den entsprechenden Auftrag des "Godesberger Programms“ konkretisieren und in Form eines Antrages zum Volksgruppenrecht im Europäischen Parlament einbringen soll.  Als letzte der Gesinnungsgemeinschaften innerhalb der sudetendeutschen Volksgruppe hatte sich damit auch die Seliger-Gemeinde zur Frage der Identität der Sudetendeutschen geäussert, und zwar mit folgendem Beschluss des Bundesvorstand am 31. Oktober 1981:

 

„Der Bundesvorstand .... ist der Meinung, dass über den Namen „Sudetendeutsche“ nicht diskutiert werden sollte, da er zumindest seit der Vertreibung aus der Heimat Geschichte geworden ist. Ohne Zweifel ist die Bezeichnung, d.h. der Name "Sudetendeutsche" mit politischen Vorgängen belastet, die zum Nachdenken Anlass geben und bei dem mancher sudetendeutsche Sozialdemokrat ein bitteres Gefühl verspürt.

Die „Sudetendeutsche Partei“ bedeutet Henlein; sie war die Wegbereiterin für das „Münchner Abkommen", für den Einmarsch Hitlers in unsere Heimat und später in das Innere Böhmens und Mährens, dem sogenannten Protektorat.

Wir deutschen Sozialdemokraten aus der Tschechoslowakei haben durch dieses Abkommen, durch die Anhänger dieser „Sudetendeutschen Partei“ viel erdulden und erleiden müssen. Kaum eine sozialdemokratische Familie blieb von Verfolgung, Verschmähung oder von Benachteiligung verschont. Trotzdem wäre es eine Verleugnung der eigenen Herkunft, wäre es zum Schaden der ganzen Volksgruppe, wenn wir jetzt den geschichtlich festgelegten Begriff ablegen wollten. Das macht nichts mehr ungeschehen, macht die Schuldigen nicht mehr zu Schuldlosen, die Vorkommnisse, die mit dem Münchner Abkommen und dem Nationalsozialismus verbunden sind, nicht mehr ungeschehen."

 

Dazu äusserte sich im „Sudetenboten“ Jahrgang 18, Juli 1982, dessen Herausgeber Willi Wanka in einem Leitartikel mit dem Titel „Sudetendeutsch – seit Wann?“

 

Bezeichnend ist zunächst der Umstand, dass es sich um eine Stellungnahme des Bundesvorstands handelt, obwohl sie im Zusammenhang mit der Bundesversammlung in Brannenburg veröffentlicht wurde. Das deutet darauf hin, dass es der Bundesvorstand nicht für notwendig  erachtete,  das  höchste Gremium der Seliger-Gemeinde, nämlich die Bundesversammlung, zu befragen. Das gibt Anlass zum Nachdenken, wie weit es mit der inneren Demokratie in der  Seliger-Gemeinde  beschaffen ist.

Die Seliger-Gemeinde hat viele Monate verstreichen lassen, ehe sie mit  ihrer Erklärung zu einer Frage, welche die sudetendeutsche Volksgruppe seit anfangs 1981 zutiefst  aufrührte, an die Öffentlichkeit  trat. Man durfte daher mit Recht eine gewissenhaft erforschte und historisch ausgewogene Stellungnahme erwarten. Diese Erwartung wurde enttäuscht. Die vorliegende Erklärung hat alle Merkmale einer in aller Eile vorgenommenen Pflichtaufgabe, die an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten  ist. Das  geht schon aus dem ersten Absatz hervor, in dem es heisst, dass der Name Sudetendeutsche ‚zumindest seit der Vertreibung aus der Heimat Geschichte geworden ist.‘            ·

Diese  Formel  lässt  zwei  Auslegungen zu. ‚Geschichte  geworden kann  bedeuten, dass etwas der Vergangenheit überantwortet wurde,  also  in  der  Gegenwart  und  Zukunft  nicht  mehr  besteht.  Das  kann  die  Seliger-Gemeinde nicht gemeint  haben,  aber das  war  bestimmt  die  Absicht  der  Austreiber,  welche die sudetendeutsche Volksgruppe durch die Vertreibung aus der Heimat in den Abgrund der Geschichtslosigkeit stossen wollten. Wenn aber der Bundesvorstand der Seliger-Gemeinde mit seiner Formel sagen wollte, dass ‚Sudetendeutsch‘  zumindest  durch  die  Vertreibung  zu einem international akzeptierten Namen für unsere Volksgruppe geworden ist, so ist das sachlich unrichtig. Da gab es bekanntlich lange Zeit die Verschwörung des Totschweigens, und wenn       im Ausland überhaupt über die Austreibung berichtet wurde, so hat man kaum zwischen Sudetendeutschen und allen übrigen deutschen Heimatvertriebenen differenziert. Da hat schon die Entwicklung  zum Münchner Abkommen hin weit mehr dazu beigetragen, dass man von den Sudetendeutschen in der Welt notiz genommen hat. Wenn jedoch innerhalb unserer Volksgruppe von ihrer Identität die Rede ist, so ist entscheidend, wann wir selbst den Begriff „Sudetendeutsch" zu gebrauchen  begannen. Da ich weder Historiker bin, noch mir die notwendigen Unterlagen zur Verfügung  stehen, will ich keineswegs  den  anmassenden  Versuch  unternehmen,  diesen  Zeitpunkt  zu  bestimmen.  Ich beschränke  mich daher auf einige Hinweise, die bestätigen, dass ‚Sudetendeutsch‘ auch in der sozialdemokratischen Bewegung unserer Heimat schon lange  vor Hitler, Henlein und dem Münchner Abkommen allgemein gebraucht wurde.

 

In  ihrem Buch „Josef  Seliger-Ein  Lebensbild“ (Verlag des Parteivorstandes der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik), sagten Josef  Hofbauer und Dr. Emil Strauss 1930 im Zusammenhang mit dem vom 30. August bis 3. September 1919 in Teplitz-Schönau tagenden Gründungsparteitag: ‚Die Geburtsstunde der selbständigen sudetendeutschen Sozialdemokratie war eine Stunde schmerzlichsten  Abschieds.‘  (Gemeint ist das  durch  das  Friedensdiktat von Versailles erzwungene Ausscheiden aus der österreichischen Sozialdemokratie). Ferner: Ernst  Paul  berichtet  in  dem  zweiten  Band  seiner  Schriften ‚Was nicht in den Geschichtsbüchern steht‘ (Verlag ‚Die Brücke‘, 1966) in dem Kapite ‚Der grosse Aufschrei‘ (Seite 79)   ‚Die sudetendeutschen Sozialdemokraten haben rechtzeitig vor einer katastrophalen Entwicklung gewarnt. Für den 7.September 1930, als die  Wirtschaftskrise eben spürbar wurde, war in den grossen Saal der Produktenbörse zu Prag  eine  Konferenz  des  Deutschen  Gewerkschaftsbundes  und  der sudetendeutschen Sozialdemokratie einberufen worden. Das Thema lautete „Die Wirtschaftskrise und die  sudetendeutsche  Arbeiterschaft. Es ist daher unzulässig, den Begriff ‚Sudetendeutsch‘ mit  einer  Auslegung zu belasten, welche den Eindruck erwecken muss, dass allein die Sudetendeutsche Partei unter der  Führung  Henleins  das  Monopol  auf seine Verwendung  innehatte.  Die  politischen  Vorgänge  innerhalb  unserer Volksgruppe, die bekanntlich seit dem Bestand der Tschechoslowakei immer von Kräften beeinflusst wurden, über welche die Sudetendeutschen selbst keine Kontrolle hatten, sind  nicht die Aktion der Sudetendeutschen Partei allein. Sie sind vielmehr die Summe aller politischen, sozialen und kulturellen Aspirationen innerhalb  unserer  Volksgruppe im Wandel einer Entwicklung, welche die Unzulänglichkeit der von den Tschechen   praktizierten  Nationalstaatstheorie zu Tage förderte. „Sudetendeutsch"  -  das  ist  nicht  die  Sudetendeutsche  Partei allein, das sind ebenso der Bund der Landwirte und die Christlichsozialen und nicht zuletzt die Sozialdemokratie, welche unserer Volksgruppe mit Dr. Karl Renner und Josef Seliger die beredtesten Anwälte des Selbstbestimmunungsrechts der Völker geschenkt hat. ‚Sudetendeutsch‘  -  das ist nicht nur Henlein,  das sind auch,  um nur einige  zu rennen,  Josef Seliger und  Dr. Lodgman, der Sozialdemokrat Dr. Ludwig Czech, der Landbündler Dr.Spina und der Christlichsoziale Zajicek, und das sind nicht zuletzt die Jungaktivisten Wenzel Jaksch, Hans Schütz und Gustav Hacker.

Es kann und es soll natürlich nicht bestritten werden, dass die Anhänger der sozialdemokratischen Partei  im Sudetenland  nach dem Münchner Abkommen ‚Verfolgung, Verschmähung  oder  Benachteiligung‘ erleiden mussten. Der Versuch, derart kriminelle Handlungen mit dem Namen "Sudetendeutsch“ in Verbindung zu bringen, lenkt aber von derTatsache ab, dass diese die Frucht des aus dem Dritten Reich importierten nationalsozialistischen Ungeistes waren. Sicher hat der Nationalsozialismus unter den Sudetendeutschen Anhänger und Helfershelfer gefunden. Aber deswegen können wir nicht darauf verzichten, die Identität unserer Volksgruppe mit dem Wort ‚Sudetendeutsch‘ zu umschreiben. Die Art wie der Bundesvorstand der Seliger-Gemeinde die Verfolgung der Sozialdemokraten durch den Nationalsozialismus zur Begründung seines lauwarmen Bekenntnisses zur sudetendeutschen Identität herangezogen hat, deutet  nebenbei auch darauf hin, dass er noch weit davon entfernt ist, Aussöhnung und Entspannung, welche im Verhältnis zur Sowjetunion und ihren Satelliten nicht oft genug betont werden können, innerhalb der eigenen Volksgruppe zur Anwendung zu bringen. Mit dieser Bemerkung soll den Nationalsozialisten unter den Sudetendeutschen keine Absolution erteilt werden. Ich meine nur, dass die Argumentation der Seliger-Gemeinde nicht geeignet ist, die sudetendeutsche Nachkriegsgeneration anzusprechen die mit den nationalsozialistischen Verbrechen absolut nichts zu tun hat.

Alles in allem ist die Erklärung des Bundesvorstandes der Seliger-Gemeinde in meinen Augen ein Dokument, welches der Gesinnungsgemeinschaft, die den Namen Josef Seligers trägt, nicht zur Ehre gereichen kann. Ich habe es mit dem Gefühl der Beschämung gelesen. Von sudetendeutschen Sozialdemokraten sollte man Besseres erwarten dürfen!“

 

Eine weitere Stellungnahme zur Klärung des Begriffs „Sudetendeutsch“ findet man in der Januar 1982 Ausgabe des Sudetenboten unter dem Titel „Sudetendeutsche Identität und die Seliger-Gemeinde“:

 

„Eigentlich wollten wir zu dem Thema ‚sudetendeutsche Identität‘ und zu der Frage, ob wir uns Sudetendeutsche oder anders nennen sollen, nichts mehr hinzufügen, weil wir glauben, dass dazu der Worte genug gesprochen worden sind. Der Vorschlag einer Namensänderung war, gelinde gesagt, von vornherein nicht gerade eine glückliche Idee, aber es fragt sich, ob es angebracht war, gegen die Autoren gleich mit schwerstem Geschütz aufzufahren und ihnen böseste Absichten zu unterstellen. Der Leidtragende solchen Zanks kann nur die Volksgruppe sein. Es ist praktisch sowieso unmöglich, eine Namensänderung vorzunehmen und damit sollte man es bewenden lassen.

Diese Auffassung teilt auch die Seliger-Gemeinde, wie aus ihrer in Brannenburg beschlossenen Erklärung hervorgeht. Sie kann es sich aber dennoch nicht verkneifen, zu bemerken, dass der Name ‚sudetendeutsch‘ mit Vorgängen belastet sei, bei dem mancher Sozialdemokrat ein bitteres Geftihl verspürt. Sie erinnert daran, dass die ‚Sudetendeutsche Partei‘ Wegbereiterin des Einmarsches Hitlers in das Sudetengebiet und der Errichtung des Protektorats gewesen sei und dass ihre Anhänger sudetendeutsche Sozialdemokraten verfolgt hätten.

Die Praxis, sich Eigentore zu schiessen, ist augenscheinlich in unserer Volksgruppe Lieblingssport. Es ist dennoch schwer verständlich, warum wir uns immer wieder den schwarzen Peter zuspielen. Nur eine Minderheit der Sudetendeutschen, die der Sudetendeutschen Partei beitraten, waren Nazis. Die Geschichte wird nicht so abfällig über die Volksgruppe urteilen wie die Seliger-Gemeinde, sondern zu dem Schluss kommen, dass sie eher Opfer Hitlers war als Wegbereiter. Hitler marschierte bekanntlich in eine Reihe von Ländern ein, ob es dort Wegbereiter gab oder nicht.

Was die Sudetendeutschen mit Hitlers Entschluss zu tun haben, die Resttschechoslowakei zu besetzen, ist rätselhaft. Ohne Zweifel glaubten damals viele Sudetendeutsche, Hitler bringe ihnen Befreiung von der tschechischen Bevormundung und obendrein Arbeit und einen höheren Lebensstandard, aber es gab nicht mehr Hitlerbegeisterung im Sudetenland als etwa im Saargebiet oder in Österreich. Gibt es einen Österreicher, der sagt, der Name Österreich hätte deswegen heute für ihn einen bitteren Beigeschmack oder einen Slowaken, dem der Name Slowakei nicht gefällt, weil Hitler 1939 - mit begeisterter Zustimmung der grossen Mehrheit des slowakischen Volkes - einen Staat dieses Namens errichtet hat?

Natürlich haben sich übereifrige Henleinanhänger an der Verfolgung sudetendeutscher Sozialdemokraten beteiligt, aber die Gestapo war keine sudetendeutsche Erfindung, sie wurde fertig aus dem Altreich importiert. Niemand will alle Sudetendeutschen reinwaschen, aber machen wir sie nicht schlechter als sie sind, das besorgen andere schon zur Genüge. Wenzel Jaksch bezeichnete sich während des Krieges in Grossbritannien immer als Sudetendeutscher und hat sich dieses Namens nie geschämt“.

(Der Artikel ist mit WJK gezeichnet, dessen/deren Identität noch nicht festgestellt werden konnte).

 

Und im Jui 1981 erliessen die Mitglieder des Wenzel-Jaksch-Kreises, dessen Vorsitzender Willi Wanka war, folgende Erklärung:

 

„Mitglieder des Wenzel-Jaksch-Kreises, einer überparteilichen Arbeitsgemeinschaft zur Untersuchung ostmitteleuropäischer Fragen, aus Großbritannien, Kanada, Österreich, Schweden und Deutschland trafen sich vom 1. bis 4. Juni 1981 im Heiligenhof, Bad Kissingen zu einem Gedankenaustausch über Probleme der sudetendeutschen Volksgruppe im Rahmen der weltpolitischen und europäischen Entwicklung.

Sie begrüßen den sich abzeichnenden stärkeren Selbstbehauptungswillen der Vereinigten Staaten und treten dafür ein, daß auch die freien Völker Europas in Partnerschaft mit Amerika ihren Beitrag zur Wahrung ihrer Freiheit und ihrer Lebensinteressen leisten. Ein zielbewußtes Streben nach der politischen Einheit Europas ist der wichtigste Schritt auf diesem Wege.

Der Wenzel-Jaksch-Kreis ist der Meinung, daß es bei der zukünftigen Gestaltung des Verhältnisses der Sudetendeutschen zu den Tschechen nicht allein auf die Verurteilung der Vertreibung durch beide Seiten ankommt. Seine Forderung ist auf Wiedergutmachung durch die Rückgabe des Sudetengebietes an die Sudetendeutschen gerichtet.

Mit Genugtuung wurde vermerkt, daß das Wirken der sudetendeutschen Auslandsgruppen zur Stärkung des Ansehens und des Geschichtsbewußtseins der Volksgruppe beigetragen hat.

Das Schicksal der Volksgruppe in diesem Jahrhundert hat den Begriff ‚Sudetendeutsch‘  in der Welt verankert,und eine erfolgreiche Vertretung sudetendeutscher Lebensinteressen kann von diesem Begriff nicht losgelöst werden.

Der Wenzel-Jaksch-Kreis erblickt im Zusammenwirken aller Teile der Volksgruppe im Rahmen des Sudetendeutschen Rates die Voraussetzung für den Erfolg des Kampfes um die Wiedergewinnung der Heimat“.

 

Offensichtlich lehnten Willi Wanka und seine Gesinnungsgenossen eine Änderung des Begriffs „sudetendeutsch“ kategorisch ab. Solcher Einstellung schliesst sich der Autor dieser Zeilen kompromisslos an. Es wäre ein weiterer Verrat an der Volksgruppe, ähnlich dem der SL Bundesversammlung, als sie am 28. Februar 2015 das Recht auf Heimat und/oder Wiedergutmachung für deren Verlust aufgab. Darüber hinaus wäre es ein weiterer Schritt in Richtung Bedeutungslosigkeit der Sudetendeutschen Volksgruppe und spielte in die Hände der „Odsun“-Politik des Vertreiberstaates Tschechische Republik.

 

 

Rudolf Pueschel

11:08 am pst          Comments

Saturday, October 31, 2015

Erinnerung an Karl Kern

Im Interesse der Teilnehmer der Diskussionsgruppe „Internationaler Freundeskreis Karl Kern“ und mit Erlaubnis seiner Witwe , Ursula Kern, erlaube ich mir, folgende Würdigung der Person Karl Kerns durch Harry Hochfelder anlässlich seines 80. Geburtstages zu veröffentlichen. Sie ist einer Ausgabe des Sudetenboten aus dem Jahr 1982 entnommen. Vermutlich war der 80. der letzte Geburtstag, den Karl Kern auf Erden erleben durfte.

Rudolf Pueschel

 

Am 9. Juli feiert Karl Kern seinen achtzigsten Geburtstag. Die sudetendeutsche Volksgruppe ehrt in ihm einen ihrer profiliertesten Köpfe, dessen Lebensweg mit ihrem Schicksal in diesem Jahrhundert unlösbar verknüpft ist.

Karl Kern stammt aus einer Bergarbeiterfamilie in Graupen. Bevor er acht Jahre alt war, starb sein Vater an Silikose und seine Mutter musste für die Kinder sorgen. Von der Armut, die er in seiner Jugend kennenlernte, können sich heutige Generationen keine Vorstellung mehr machen.

Der erste Weltkrieg verschlug ihn 1916 in die k.u.k. Maschinenschule der österreichischen Kriegsmarine in Pola. Dort erlebte er als Sechzehnjabriger das Kriegsende. Nach Graupen zurückgekehrt trat er nach einem kurzen Zwischenspiel als Elektriker in die Fusstapfen seines Vaters und wurde Bergarbeiter. Zwei Jahre arbeitete er im Schacht.

Seine politische Laufbahn begann mit seinem Eintritt in diesozialistische Jugendbewegung, wo er rasch einer der führenden Funktionäre wurde. Bereits 1924 bestellte man ihn zum Zentralsekretär des Verbandes, ab 1926 war er Vorsitzender, eine Funktion, die er bis 1938 innehatte. In dieser Eigenschaft war er auch Mitglied des sozialdemokratischen Parteivorstands. Ab 1929 war er Journalist, zuerst in Reichenberg und später in Prag mit einem Zwischenspiel in Troppau.

Durch seine Tätigkeit in der sozialistischen Jugendinternationale lernte er die jungen Sozialisten vieler anderer europäischer L!nder kennen, von denen später manche in führende Positionen in ihren Regierungen aufrückten.

Die Marksteine des politischen Geschehens im Sudetenland, der Kampf um das Selbstbestimmungsrecht, die Spaltung der Arbeiterbewegung und die Auseinandersetzung mit den Kommunisten, der Abwehrkampf gegen den aufsteigenden Nationalsozialismus, der Versuch der sudetendeutschen demokratischen Parteien, von den Tschechen Zugeständnisse hinsichtlich der nationalen Rechte der Sudetendeutschen zu erwirken und bei der Prager Regierung Massnahmen zur Linderung der durch die Weltwirtschaftskrise in den Grenzgebieten verursachten Not durchzusetzen, all dies fand in dem politischen Wirken Karl Kerns seinen Niederschlag.

Der Schiedsspruch von München führte zum Exil in Schweden, das ihm zur zweiten Heimat wurde. Das Schicksal der Volksgruppe bestimmte auch im Ausland sein Denken und Handeln. Er unterstützte den Kampf Wenzel Jakschs gegen die im Laufe des Kriegsgeschehens immer klarer zutage tretenden Vertreibungspläne der Tschechen. Als nach Kriegsende die Vertreibung zur schrecklichen Wirklichkeit wurde und die Not der Volksgruppe am grössten war, ging er nach Oesterreich, um dort im Rahmen einer sudetendeutsch-schwediscben Rettungsaktion Hilfe zu bringen.

Die Armut im Elternhaus und der Mangel an Gelegenheit zum Besuch höherer Schulen hat Karl Kern nicht daran gehindert, sich in harter eigener Arbeit ein Ausmass an viele Gebiete umfassender Bildung anzueignen, das in keiner Weise dem höchsten Niveau akademischer Elite nachsteht. Das gilt insbesondere für seine tiefgründige Kenntnis der deutschen Sprache und Literatur und der Weltliteratur und für seine Kenntnis fremder Sprachen, vor allem des Schwedischen. Seine besondere Liebe gilt der Lyrik und er hat sowohl eigene Gedichte veröffentlicht wie auch Übertragungen schwedischer Lyriker. Er schrieb zwei Bücher über Wenzel Jaksch ("Sucher und Künder" und "Patriot und Europäer"), ein Buch über die Geschichte der sudetendeutschen Emigration ("Menschen im Exil"), seine 1980 im Helmut Preussler Verlag erschienene Autobiographie ''Heimat und Exil - von Böhmen nach Schweden" und natürlich ungezählte Beiträge in einer grossen Anzahl von Zeitungen und Zeitschriften. Er ist Mitglied des Auslandsbeirats des Sudetendeutschen Rats. Karl Kerns Wirken ist vor allem durch seine Wahrheitsliebe und seine anständige Gesinnung gekennzeichnet. Er, der seine über alles geliebte Heimat bereits 1938 verlor, weil er in Hitlers Machtpolitik nicht die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts für die Sudetendeutschen sah, bekämpfte die verbrecherischen tschechischen Vertreibungspläne mit genau so kompromissloser Leidenschaft wie vorher den Ungeist des Nationalsozialismus. Als der steile wirtschaftliche Aufstieg der Bundesrepublik es vielen deutschen Exilpolitikern ermöglichte, eine aussichtsvolle politische Laufbahn in Westdeutschland einzuschlagen, zog er es vor, in Schweden zu bleiben, wo er sich als Ausländerkonsulent des Arbeitsamtes der südschwedischen Provinz Malmö eine gesicherte Existenz aufgebaut hatte, die es ihm gestattete, die Entwicklung in Deutschland und in der Welt von einer unabhängigen Warte zu beurteilen, ohne auf jeweilige parteipolitische Erwägungen Rücksicht nehmen zu müssen.

Es konnte nicht ausbleiben, dass die Wendung der SPD zur Ostpolitik ihn in einen scharfen Gegensatz zu der Partei brachte, in deren Reihen er von Jugend auf für soziale und nationale Gerechtigkeit gekämpft hatte. Er sah in der Politik Brandts und Wehners eine nicht verantwortbare Abkehr von vorher als unabänderlich verkündeten Zielen und Grundsätzen. Der Schmerz über diese Entwicklung gesellte sich zu seiner Enttäuschung darüber, dass alle Appelle der sudeten-deutschen Sozialdemokraten an die Bruderparteien anderer Länder, sie in ihrem Kampf gegen die Vertreibung zu unterstützen, auf taube Ohren gefallen waren.

Nicht viele sind Karl Kerns Weg gegangen. Wirkliche Grundsatztreue ist unbequem, weil sie dazu zwingt, liebgewordene Vorstellungen neu zu überprüfen und zu überdenken. Auch verträgt sie sich nicht gut mit Opportunismus, dem viele Menschen, oft ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, zum Opfer fallen. Was Karl Kern heute von vielen seiner Parteifreunde trennt, ist die Erkenntnis, dass nationale Anliegen jetzt im deutschen Bereich das Primat über soziale Fragen haben, da die letzteren seit dem zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik weitgehend gelöst werden konnten. Die Sozialpolitik des Staates, der in Westdeutschland auf den Trümmern des Dritten Reiches erstand, ist heute in der Welt beispielgebend und es ist kein Wunder, dass viele Menschen in den sogenannten Volksdemokratien erklären, den Sozialismus hätten sie sich ungefähr so vorgestellt, wie er in der Bundesrepublik verwirklicht worden ist. Wo die Deutschen Herren ihres eigenen Schicksals sind, dort gibt es so gut wie keine Armut mehr. Es gibt aber viele Deutsche, denen die Heimat geraubt wurde und viele, denen das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten wird und die sowohl in Unfreiheit wie in wirtschaftlicher Not leben. Wer heute im deutschen Bereich gegen Unrecht ankämpfen will, der muss daher gegen nationales Unrecht kämpfen und für das Recht auf Heimat und Selbstbestimmung eintreten. Diese Einsicht mag vielen Westdeutschen nach 1945 schwer fallen, aber Karl Kern hat gerade dies sehr klar erkannt und den Mut besessen, danachzu handeln. Da liegt geschichtlich gesehen sein grösstes Verdienst. Im Wenzel-Jaksch-Kreis fand er eine Reihe gleichgesinnter Freunde, die ihre Auffassungen in der in Kanada erscheinenden Zeitschrift' "Der Sudeten-Bote" veröffentlichen.

Die Volksgruppe ehrte Karl Kern dadurch, dass sie ihm ihre höchste Auszeichnung - den Karlspreis - verlieh. Sie ehrte in ihm einen Mann, dem es wie vielen wahrscheinlich nicht vergönnt sein wird, sein Werk zu vollenden, der jedoch allen Widerständen zum Trotz in die richtige Richtung weist und uns mahnt, den Kampf weiterzuführen für ein freies deutsches Volk in einem freien Europa. Sucher und Künder, Patriot und Europäer, so hatte Karl Kern das Wirken Wenzel Jakschs umschrieben, aber diese Beschreibung trifft genau so auf ihn selbst zu, wie auch das Wort Karr Brögers:

 "Herrlich zeigte es aber deine grösste Gefahr, Dass dein ärmster Sohn auch dein getreuester war, Denk es, o Deutschland."

Leider gibt Karl Kerns Gesundheitszustand zur Zeit Anlass zu Besorgnis. Wir wissen, dass seine Gattin Ursula ihn in vorbildlicher Weise pflegt und dass sein Lebensmut und seine Tapferkeit ungebrochen sind. Zu seinem achtzigsten Geburtstag wünschen wir ihm Glück und Besserung. Vor allem versprechen wir ihm, in seinem Sinn weiterzuarbeiten.

Harry Hochfelder

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